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Was tun mit der klassischen Lebensversicherung?

Die klassische Lebensversicherung ist seit Jahrzehnten das meistverkauft Anlageprodukt in Deutschland. Aber sie ist bei weitem nicht das beste, was Sie mit Ihrem Geld für die Altersvorsorge tun können. Was die Lebensversicherung so meistverkauft machte, warum sie mittlerweile nicht mehr in die Zeit passt – und ob es sich lohnt, sie weiter zu besparen. 

Mit über 40 Mio. Verträgen (Quelle: GDV)  ist die klassische Lebens- und Rentenversicherung mit Abstand das meistverkauft Anlageprodukt in Deutschland. Zum Vergleich: Ende 2022 gab es ca. 29,9 Mio. Fondsdepots (Quelle: Statista). Seit Jahrzehnten ist sie der „Absatzrenner“ der Branche – auch wenn die Neugeschäftszahlen seit einigen Jahren bei weitem nicht mehr so rosig aussehen, wie noch in den letzten Jahrzehnten. 

Denn über viele Jahrzehnte schien die klassische Lebensversicherung wirklich alle Wünsche und Bedürfnisse der Anleger zu erfüllen: Sie bot eine hohe Verzinsung, garantierte oftmals mehr als man eingezahlt hatte, war sehr schwankungsarm, da sie fast ausschließlich in festverzinsliche Papiere investiert und bot darüber hinaus attraktive Steuervorteile. So sind bis heute Auszahlungen von Lebens- und Rentenversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, gänzlich steuerfrei. 

Aber ganz so unkritisch wie eben beschrieben sahen Verbraucherschützer und Fachmedien die klassische Lebensversicherung noch nie. Schon immer waren ihnen die hohen Abschluss- und Vertriebskosten in den ersten 5 Vertragsjahren ein Dorn im Auge. Und seien wir ehrlich: Zum großen Teil hat die üppige Vergütung dazu beigetragen, dass das Produkt sich bei Finanzvertrieben jeglicher Art großer Beliebtheit erfreute und es dadurch so erfolgreich wurde. Hinzu kommt, dass es wenig flexibel und schon gar nicht transparent war (und ist). 

Und so titulierte schon vor genau 40 Jahren die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV): „Lebensversicherungen sind legaler Betrug.“ Die Antwort der „dunklen Seite der Macht“ ließ damals nicht lange auf sich warten und der Gesamtsamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) strengte eine Unterlassungsklage gegen den BdV an. Die ging allerdings am 03. Juni 1983 verloren und bescherte dem BdV damit unfreiwillig einen seiner ersten großen Erfolge. Auf der Internetseite des BdV ist man nach wie vor der Meinung: „Lebensversicherungen zur Altersvorsorge sind auch 40 Jahre später noch Murks!“

Ob „legaler Betrug“ oder „Murks“ – Fakt ist und bleibt: Klassische Lebensversicherungen taugen weder als Altersvorsorge, noch als langfristige Vermögensanlage. Anleger erhalten eine extrem konservative Anlage, die zum überwiegenden Teil aus festverzinslichen Papieren besteht, was gerade für lange Laufzeiten im Vergleich zu Aktienanlagen nachweislich die deutlich schlechtere Wahl ist. Die auf Versicherungen spezialisierte Ratingagentur Assekurata ermittelt jedes Jahr die durchschnittlichen Überschußbeteiligungen für diese Produktkategorie. In den letzten Jahren lagen diese im Schnitt zwischen zwei und drei Prozent. Abzüglich Kosten von ca. ein bis zwei Prozent und Inflation ein garantiertes Verlustgeschäft für jeden Anleger. 

Höhere Zinsen = höhere Renditen für klassische Lebensversicherungen? 

Vielleicht wird der ein oder andere Anleger angesichts der aktuell stattfindenden Zinswende anmerken, dass die Zinsen für festverzinsliche Papiere aktuell wieder deutlich gestiegen sind. Entsprechend könnte eine klassische Lebensversicherung womöglich wieder interessant werden. 

Diesen Zahn müssen wir Ihnen leider schnell wieder ziehen – insbesondere auch dann, wenn Sie selbst zu den 40 Mio. Kunden gehören, die immer noch eine klassische Lebensversicherung haben. 

Denn trotz aktuell wieder höherer Zinsen am Markt, werden die Verzinsungen für Lebensversicherungskunden noch über Jahre niedrig bleiben. Grund: Nach wie vor sind Versicherer in großem Umfang in sehr niedrig verzinsten, älteren Kapitalanlagen investiert. Diese können Versicherer aufgrund des Zinsanstiegs nicht ohne massive Verluste zugunsten höher verzinster Papiere verkaufen. Entsprechend müssen Versicherer einen Großteil der niedrig verzinsten Anleihen noch Jahre lang halten und können erst nach und nach mit freiwerdenden Kundengeldern höher verzinste Anlagen nachkaufen. 

Die Zinswende, die gerade an den Märkten eingeläutet wurde, geht somit an Kunden von klassischen Lebensversicherungen vorbei. In die gleiche Richtung äußert sich Axel Kleinlein, bis vor kurzem noch Vorstandssprecher des Bund der Versicherten: „Unterm Strich geht für die meisten Kunden die Niedrigzinsphase noch viele Jahre weiter. Ich rechne damit, dass die Versicherten erst in den 2030er Jahren nennenswert von den höheren Zinsen profitieren könnten – wenn überhaupt.“ (Quelle: Finanzwelt, Ausgabe 03/2023)  

Steuervorteil: Behalten oder verzichten?

Nach Abzug von Kosten und Inflation ist eine klassische Lebensversicherung für die Altersvorsorge also nach wie vor pure Geldvernichtung. Da hilft es bei älteren Policen auch nicht, dass man mit einer steuerfreien Auszahlung rechnen kann. Die Nachteile durch Kosten und vor allem gravierend niedriger Rendite sind dadurch bei weitem nicht auszugleichen. 

Das Fazit des Versicherungsmathematikers und Verbraucherschützers Kleinlein fällt entsprechend hart aus: „Wer schon einen [Vertrag] hat, für den ist in vielen Fällen ein Storno angezeigt.“ (Quelle: Finanzwelt, Ausgabe 03/2023)

Wir wollten wissen, ob das stimmt – und haben einfach mal nachgerechnet. Die Annahme war, dass eine Lebensversicherung im Jahr 2004 abgeschlossen wurde und seitdem mit 2oo € kontinuierlich bespart wurde. 19 Jahre später stellt sich die Frage: Weitersparen oder kündigen? Die blauen Balken zeigen das mögliche Ergebnis an, wenn man den Vertrag weiter bespart. Die gelben Balken zeigen das Ergebnis an, wenn der ursprüngliche Vertrag gekündigt und das Kapital in einen myPension-Vertrag eingezahlt würde. Wir haben das für unterschiedliche Restlaufzeiten bis zur Auszahlung dargestellt. 

Und selten waren Ergebnisse so eindeutig: Solange die Laufzeit lang genug ist, reicht die niedrige Wertentwicklung einer klassischen Lebensversicherung nicht aus, um Ergebnisse zu erzielen, die attraktiver als die einer günstigen ETF-Rentenversicherung wie myPension wären. 

Annahmen für die Berechnung: Wertentwicklung klassische Lebensversicherung 3,25%, 4% Abschlussprovision, 10% Verwaltungskosten pro Beitrag. Stornogebühr bei Kündigung des Vertrages: 10% des Vertragsguthabens. Wertenwicklung myPension 6% abzgl. 36€ jährlich und 0,67%. Vertragsguthaben aus der klassischen Lebensversicherung abzgl. Stornogebühr wird in den myPension-Vertrag reinvestiert und die Sparrate von 200€ beibehalten. 

 

Aber was heißt das jetzt für Anleger? In den meisten Fällen ist eine Kündigung (bei entsprechend langer Restlaufzeit) mit Reinvestition der Auszahlung in eine renditestärkere, kostengünstigere ETF-Rentenversicherung die bessere Wahl. Auch kann in manchen Fällen die Rückabwicklung des Vertrages in Frage kommen, etwa wenn der Versicherer im Kleingedruckten falsche Formulierungen verwendet hat. Für beides bietet der Bund der Versicherten unter diesem Link Musterformulare. 

Bleibt festzuhalten: Nur weil sich ein Produkt gut verkauft, heißt es nicht, dass es auch gut für Sie ist. Noch wichtiger ist aber: Eine einmal falsch getroffene Investitionsentscheidung zu korrigieren. Zumindest solange noch genug Zeit dafür ist. 

Sie haben eine klassische Lebens- und Rentenversicherung und wissen nicht genau, was Sie damit tun sollen? Erfahren Sie mehr in unserem Webinar mit dem Titel: „Was tun mit der Lebensversicherung?“ 

Unser Experte und Geschäftsführer Alberto del Pozo wird Ihnen alle wichtigen Informationen vermitteln, die Sie benötigen, um die richtigen Entscheidungen für Ihre Altersvorsorge zu treffen.

Wann: 5. Juli 2023 um 19 Uhr. Hier anmelden.

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